22.12.16

Meine Gedanken zum aktuellen Geschehen und dem bevorstehenden Weihnachtsfest




Nach den Ereignissen in Berlin, die mich zu tiefst erschüttert haben und dem bevorstehenden Weihnachtsfest, ist es mir ein Anliegen ein paar Worte zusammen zu fassen, die mich im Zuge des Attentates beschäftigen. Es ist kein Post wie ihr ihn sonst von mir kennt, er ist anderes, persönlich, emotional, tiefgründig, fragend. Aber ich möchte auch solchen Beiträgen, die das aktuelle Geschehen hier und in der Welt aufgreifen, auf meinem Blog Platz geben.
Wie jedes Jahr, war auch dieses geprägt mit vielen Höhepunkten und wundervollen Glücksmomenten. Da war zum einem die Traumhochzeit meiner lieben Freundin, der runde Geburtstag eines Familienmitgliedes, ein wunderbarer und erholsamer Urlaub in Holland, feucht fröhliche Grillabende mit Freunden, die bestandene Prüfung meiner besseren Hälfte, der erfolgreiche Start in meinem neuen Job. Es gab so viele Ereignisse, die mich mit Liebe und Glück erfüllt haben.
Aber es gab dieses Jahr auch vermehrt unfassbare Terroranschläge in Europa, ein tragisches Erdbeben in Italien, Krieg, Hunger und Leid in Syrien, unfassbare Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer. Die sozialen Netzwerke sind vollgepackt mit Fremdenhass und Egoismus. Es kommt mir so vor, als würde es von Tag zu Tag mehr werden, als würde es überhand gewinnen über die freudigen Nachrichten, die positiven Beiträge, die die Menschen mit einander teilen. Rechtsradikale Parolen werden von Menschen öffentlich geteilt und verbreitet. Die radikale Szene breitet sich immer mehr aus und legt einen Fremdenhass an den Tag der für mich unbegreiflich ist.


Dieser Fremdenhass bekommen wir selbst zu spüren, obwohl wir nicht in einer Großstadt leben, in einem Problembezirk mit einem hohen Ausländeranteil. Nein ganz im Gegenteil, wir wohnen auf dem Land, in einem Dorf, in dem es vermutlich mehr Kühe wie Einwohner mit Migrationshintergrund gibt. Die nächste größere Stadt ist Baden-Baden oder auch Karlsruhe.
Mein Freund ist Türke, hat keinen deutschen Pass, obwohl er hier in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Er ist länger in diesem Land als ich auf der Welt bin. Und trotzdem spüren wir selbst am eigenen Leib, wie schwer es in der heutigen Zeit ist, einer anderen Religion anzugehören oder sogar nur anders auszusehen.
Meist sind es Alltagssituation, die einem vor Augen führen, wie man von den Mitmenschen war genommen wird. Man glaubt es kaum, aber allein durch sein leicht südländisches Aussehen, wird er sofort mit Vorurteilen konfrontiert. Beispielsweise bleibt in der S-Bahn oft der Platz neben meinem Freund leer, wenn er auf dem nach Hause weg ist. Oder er wird ängstlich und mit großen Augen angeschaut, wenn er einer alten Dame beim Tragen der Einkaufstüten helfen möchte.
Auf der anderen Seite wird er sogar proaktiv am Bahnhof von muslimischen Bürgern angesprochen, er solle doch der radikal-islamistischen Bewegung beitreten.
Es ist erschreckend in welch einer Welt wird leben. Es passieren täglich so viele schreckliche Dinge, alleine durch Menschenhass. Und wie wir spätestens seit diesem Jahr wissen, der Terror ist schon lange auch in Deutschland angekommen.
Ich frage mich manchmal, wie man bei solch schlimmen Ereignissen, wie am Montag in Berlin, noch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann? Wie kann man in diese Welt Kinder setzen, wenn man selbst nicht weiß, wie weit sich die Welt noch verändern wird? Wie schafft man es, trotz dieser schlimmen Ereignisse, die einem sprachlos machen, offen und freundlich zu bleiben und nicht zu verbittern, der Wut und der Angst in einem keinen Platz einzuräumen?





Wir werden immer wieder mit diesen emotionalen Tiefschlägen konfrontiert, müssen Stärke beweisen, Mut haben weiterzumachen, weiter zu kämpfen für das Gute in der Gesellschaft, für das Gute im Menschen, für das Gute in uns. Sich selbst zu reflektieren, sich zu hinterfragen ist dabei genauso wichtig, wie andere darauf aufmerksam zu machen. Aber nicht immer fällt uns das leicht. Wir zögern, sind gehemmt und möchten den anderen nicht zurechtweisen, haben vielleicht auch zu wenig Zivilcourage einzuschreiten, wenn es wirklich notwendig ist. Auf der anderen Seite dürfen wir uns auch nicht von Vorurteilen leiten lassen, müssen mit offenem Blick unsere Mitmenschen war nehmen. 
Vielleicht kann uns der bevorstehende Jahreswechsel, der immer auch einen gewissen Neuanfang mit sich bringt, dabei helfen. Denn ein neues Jahr heißt nämlich auch, einen neuen Abschnitt zu beginnen, neue bevorstehende Herausforderungen anzunehmen, das alte hinter sich lassen, den Blick nach vorne richten, sich mit Liebe und positiven Gedanken den neuen Situationen stellen, sich einlassen auf Veränderungen, neue Bekanntschaften schließen, sich gegenseitig zu unterstützen und vor allem sein Gegenüber wertzuschätzen.
Diese Wertschätzung ist so unglaublich wichtig. Die Mitmenschen so zu akzeptieren wie sie sind und ihnen in ihrer Persönlichkeit und in ihrem Wesen den Freiraum zu geben, den sie brauchen, ist ein wichtiges Gut in unserem heutigen gesellschaftlichen Leben. In einem Leben, in dem die Kulturen und Nationalitäten verschwimmen, in dem es immer mehr Menschen gibt, die Hilfe suchen und bedürftig sind, die ohne die Unterstützung anderer keinerlei Hoffnung auf Verbesserungen hätten, müssen wir mit positiven Beispiel voran gehen. Es sind schon Kleinigkeiten die Veränderungen herbeiführen.

Gerade zu Weihnachten, dem Fest der Nächstenliebe, lasse ich gerne solche Gedanken zu, versuche mich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist, worauf es mir im Leben ankommt, wie ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass die Welt ein wenig heller und freundlicher wird.
Lasst uns also die Feiertage im Kreise unserer Freude und Familie genießen, jede Sekunde, die wir zusammen sein können zelebrieren, gemeinsam essen, singen, tanzen – einfach FREUDE teilen. Denn meiner Ansicht nach kann bereits die Freude am Leben die dunklen Gedanken und Ängste verdrängen, denn wo kein Platz ist für Wut und Intoleranz, wo der Nährboden für Hass so klein wie möglich ist, kann kein Terror und kein Grauen entstehen.
Mareike

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