17.09.15

Sizilien - eine Insel mit 1.000 Facetten





Unser Sommerurlaub führte uns dieses Jahr nach Italien, genauer gesagt nach Sizilien und Apulien. Wir haben uns vorgenommen, 15 Tage mit dem Auto zuerst die hügelige Landschaft Siziliens zu erkunden und dann über die Meerstraße bei Messina auf das Festland überzusetzen und durch Kalabrien hindurch nach Apulien weiter zu fahren, um dort die restlichen Urlaubstage an tollem Sandstrand zu verbringen und durch die schönen, durch den Barock geprägten Städte, zu flanieren.

Der 1. Teil meines Urlaubsberichts ist Sizilien gewidmet, im 2. Teil folgt dann Apulien.
Ich möchte euch mit diesem Bericht mit auf die Reise nehmen, euch die unterschiedlichsten kulinarischen Genüsse Siziliens näher bringen, die bezaubernde Landschaft zeigen und euch entführen in die pulsierende Stadt Palermo und in das kleine Touristenstädtchen Taormina, das uns wirklich verzaubert hat.

Unser Tag in Sizilien startet um 09.00 Uhr morgens auf dem Airport in Trapani mit einem Wolkenbruch. Ja, ich konnte es kaum glauben, aber als wir uns mit unserem Mietwagen in Richtung Palermo aufgemacht haben, fing es an zu schütten. Ich saß hinter dem Steuer unseres Fiat Panda und konnte vor lauer Regen die Straße nicht mehr sehen. Unsere Freunde konnte nur schmunzeln, als wir in Palermo ankamen, denn seit ca. 20 Jahren hatte es im August in Sizilien nicht geregnet.





Die ersten zwei Tage haben wir uns Palermo angesehen. Eine 700.000 Einwohnerstadt die nicht schläft, sie ist pulsierend, geprägt von einem alten Stadtkern mit unglaublich vielen wunderschönen Kirchen und Gebäuden. Es wimmelt von Mofas und Autos. Es ist wirklich kurios, wenn man zeitlich von einem Auto rechts und von einem links überholt wird und dabei noch mehrere Roller oder Mofas sich dicht an dicht zwischen den Autos durchschlängeln. Für mich ein Horror, für meinen Freund ein echtes Highlight, das ihn an seine Heimatstadt Adana erinnerte. Es dauerte nicht lange, da hat er sich der Fahrkultur angepasst und die Hupe wurde öfters gebraucht als der Blinker.
Mein Tip bei einem Besuch in Palermo: Lasst euch treiben vom wilden Getümmel, taucht ein in den alten Stadtkern und genießt die Stadt auch mal bei Nacht.


1. Besucht die Focacceria San Francesco. Seit 1834 gibt es hier typische sizilianische Gerichte. Unter anderem Milzbrötchen mit Ricottakäse. Wer traut sich? Ich haben mich getraut. Das war sozusagen mein 1. kulinarisches Highlight.

2. Die Kathedrale Maria Santissima Assunta in Palermo. Sie ist im typischen normannisch-arabischen Stil errichtet .

3. Die Katakomben des Kapuzinerkloster. Hier wurden seit dem 16. Jahrhundert Mönche und später auch die Oberschicht bestattet. Ein schaurig faszinierendes Erlebnis.

4. Der Stadtteil Mondello war ursprünglich ein Fischerort und gehört jetzt zum gehobenen Stadtteil Palermos.

5. Mein kulinarisches Highlight: Briochebrötchen gefüllt mit cremigem Eis und Sahne. Das müsst ihr probieren. Das gibt es an jeder Eisdiele.

In den nächsten Tage standen zwei weitere Punkte auf unserer Urlaubsliste. Einen Besuch des Küstenstädtchen Cefalú und einen Tagesausflug zum Riserva Naturale de Zingaro.

Cefalú ist ein zuckersüßes Städtchen an der Nordküste von Sizilien und gehört noch zur Provinz Palermo. Es ist ein beliebtes Ziel von Touristen und die kleinen engen Sträßchen in der Stadtmitte sind gerade in der Ferienzeit voll. Das tut dem Flair der Stadt aber keinen Abbruch. Wir haben mit Hilfe eines Reiseführers einen kleinen Stadtrundgang gemacht und sind somit an allen historischen Gebäuden und Kirchen vorbeigekommen. Da die Araber dieses Städtchen ebenfalls besiedelten, gibt es ein kleines Waschhaus, ein architektonisches Highlight mitten in der Altstadt, das bis vor wenigen Jahrzehnten noch von Frauen genutzt wurde. Absolut sehenswert ist auch der Nommannendom, dessen Kirchturm die Stadt überragt. Wir haben das Städtchen bei Sonnenuntergang besucht, der Blick auf das Meer und die untergehende Sonne waren einfach traumhaft.
Am Abend kann man wunderschön in den zahlreichen Bars oder Cafés ein Gläschen Wein trinken und den Tag ausklingen lassen.






Der Tagesausflug zum Riserva Naturale gestaltet sich etwas komplizierter als zuerst angekommen. Das Naturreservat kann man über zwei unterschiedliche Eingänge betreten. Wir haben uns entschieden den näher liegenden Eingang bei Scopello zu nutzen. Es ist nicht ganz so einfach den Eingang auf Anhieb zu finden. Mein Rat, folgt den Straßenschildern, denn der Eingang befindet sich nicht direkt in Scopello sondern etwas außerhalb. Das Naturschutzgebiet ist gespickt mit zahlreichen traumhaft schönen Badebuchten, die man bei der Tour durch die bergige Landschaft erreichen kann. Das Meer schimmert hier in den unterschiedlichsten Blautönen.

Wir haben uns ein kleines Picknick zusammengepackt und sind früh morgens losgefahren. Als wir allerdings nach einer kleineren Odyssee ankamen, war der Parkplatz bereits pickepacke voll. Da hatten wir schon die erste Vorahnung. An der ersten Bucht angekommen, traf uns fast der Schlag. Die komplette Badebucht, die im Reiseführer so malerisch beschrieben war, war komplett von oben bis unten voll mit Touristen. Die Schirme reiten sich in 5er Reihen am kleinen Strandabschnitt. An den steilen, felsigen Klippen rechts und links lagen die Touristen ebenfalls wie Heringe. Ich wusste bis dahin nicht, dass man auf Felsen tatsächlich liegen konnte. Tja wir haben es auch getan.






Für unseren Ausflug hatten wir leider nicht gerade den besten Tag ausgewählt, von der Jahreszeit mal ganz abgesehen. Es war das Wochenende vom 15. August, Maria Himmelfahrt. Das ist der Zeitpunkt, ab dem sich gefühlt alle Italiener in den Sommerurlaub stürzen. Somit ist unser geplantes gemütliches Picknick in der Badebucht des Naturreservates im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Mein Tip: Mietet euch ein kleines Boot am anderen Eingang des Reservates bei San Vito Lo Capo. Mit diesem kann man jede Bucht anfahren, wunderschöne Fotos von der Natur direkt vom Meer aus machen und selbstverständlich auch ausgiebig baden.

Nach diesem Ausflug waren die Tage in Palermo gezählt. Wir haben das Wochenende zusammen mit unseren Freunden und deren Familie verbracht und einmal auch so richtig schön gegrillt, auf sizilianische Art. Das heißt jede Menge Fleisch und Fleisch und nochmals Fleisch, dazu jede Menge Brot und frische Oliven von der eigenen kleinen Olivenplantage. Einfach köstlich. Ich hätte mich ja nur von Oliven, Käse und Brot ernähren können. So gute Oliven habe ich bisher noch nicht gegessen.

Bei dieser Grillsaison hab ich dann auch meinen 2. kulinarischen Exkurs gewagt. Das hat mich tatsächlich noch mehr Überwindung gekostet als das Milzbrötchen. Ich dachte ja nicht, dass das noch geht. Jetzt haltet euch fest: Eine Spezialität in Sizilien ist aufgewickelter Darm. Ja ihr habt richtig gehört, der Darm wird um Frühlingszwiebeln und Petersilie gewickelt und scharf auf dem Feuer gegrillt. Das Ganze wird dann in "mundgerechte" Häppchen geschnitten und mit Zitrone beträufelt, bevor es wie ein kleiner Snack gegessen wird. Von außen sieht es eigentlich ganz harmlos aus, aber die Konsistenz und der doch muffige Geschmack, der selbst die Zitrone nicht völlig überdecken kann, war schon sehr speziell. Für Sizilianer ist das ganz normal, sogar die Kinder essen es, aber für mich war das eine Nummer zu viel. Ich habe es probiert, ja, aber mehr auch nicht. Ein Fan von diesem Snack bin ich definitiv nicht geworden.



Nach 5 Tagen sind wir in Richtung Süden gefahren und haben dabei einen kleinen Abstecher über Corleone gemacht. Ich habe nämlich einen unglaublichen "Der Pate"-Fan an meiner Seite, der nicht aus Sizilien ausgereist wäre, ohne ein Foto der bekannten Kirche und eines mit dem Stadtnamen zu machen. Dieser Umweg führte uns mitten durch das Hinterland von Sizilien. Es war ein unglaubliches Erlebnis, geprägt von kilometerlangen Olivenheinen, hoch aufragende Gebiergsspitzen, einsamen Bergdörfer und Straßen, die mehr Schlaglöcher hatten, als ein Schweizer Käse Löcher.

Im Süden Italiens haben wir 2 Strandtage eingelegt zum Relaxen und Entspannen. Denn die Reise ging bald weiter und das hieß einmal komplett durch Sizilien durchfahren nach Taormina, dem wohl bekanntesten und schönsten Städtchens Siziliens am Fuße des Ätnas. Die Fahrt dauerte 7 Stunden, denn wir sind 3/4 der Strecke nur Landstraße gefahren. Dieses Erlebnis werde ich so schnell nicht vergessen. Einige Momente lang dachte ich wir werden niemals ankommen, hätten uns vollkommen verfahren, aber das Navi hat uns so gut wie nie im Stich gelassen. In Taormina haben wir ein Hotelzimmer für eine Nacht reserviert und einfach nur den Tag in der Stadt genossen.





Das Hotel war mitten in der Stadt gelegen und mit der Dachterrasse hatten wir einen traumhaften Blick auf die Stadt, die Bucht, den Hafen und den Ätna. Wir haben das Theater besichtigt, sind durch zahlreiche Gässchen mit Souvenirläden geschlendert, haben Pizza in einem tollen Restaurant gegessen, leckeren Wein getrunken und den Abend auf der Dachterrasse bei einem Espresso ausklingen lassen. Taormina ist eines meiner Highlights der Sizilienrundreise. Hoch oben auf dem Berg strahlt das Städtchen eine Magie aus, die einem sofort verzaubert und die kleinen Restaurants, die abends im Kerzenlicht erstrahlen, machen die Stadt zu einem romantischen Erlebnis.




Wir sind an diesem Abend relativ früh ins Bett gegangen, denn der nächste Tag hatte es nochmals in sich. Der 2. Teil unseres Urlaubs stand bevor. Die letzten 7 Tage werden wir in Apulien verbringen. Das heißt für uns, mit der Fähre in Messina auf das Festland übersetzen, Kalabrien durchfahren bis hin zur Absatzspitze nach Apulien.
Was wir dort noch so erlebten, welche Ausflüge wir unternahmen und natürlich meine Reisetipps für Lecce und den Salento schreibe ich in meinem 2. Teil.

Alles Liebe
Mareike ♥
 

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